Gentechnik in der Landwirtschaft - schon vorbei oder wieder im Anmarsch?


Runder Tisch gentechnikfreier Neckar-Odenwald-Kreis informiert auf der Klimamesse

Nach einigen Freisetzungsversuchen und Anbauvorhaben im letzten Jahrzehnt werden in Deutschland derzeit keine genmanipulierten Pflanzen angebaut. Im Handel sind zunehmend tierische Lebensmittel mit der Kennzeichnung "ohne Gentechnik" zu finden, bei denen auch auf Futtermittel mit genveränderten Bestandteilen verzichtet wurde. Ist das Kapitel Agrargentechnik in Deutschland also schon beendet oder steht es uns noch bevor? - Über neue Entwicklungen bei neuen Gentechnik-Methoden und beim "Opt out", der selektiven Zulassung genveränderter Sorten, informierte Gottfried May-Stürmer, Geschäftsführer des BUND-Regionalverbands Heilbronn-Franken und einer von drei Sprechern des Aktionsbündnisses Gentechnikfreie Landwirtschaft Baden-Württemberg in seinem Vortrag auf der Klimamesse in Aglasterhausen.

Die Sprecherinnen des Runden Tisches gentechnikfreier Neckar-Odenwald-Kreises Amelie Pfeiffer  ergänzte, dass die Entscheidung, ob die neuen Gentechnikmethoden unter das Gentechnikgesetz fallen derzeit beim Europäischen Gerichtshof liegt. Nur dann gäbe es einen aufwendigen Zulassungsprozess, in dem zumindest eine Risikoanalyse vorgenommen werden müsste. Wegen unbekannter Nebenwirkungen halte sie das für unverzichtbar. So setze zwar die sogenannte  neue „Genschere“sehr gezielt an einer Gensequenz an, doch gibt es diegleichen Gensequenzen eben auch in unbekannten Bereichen des Genoms, an denen dann unerwartete Veränderungen entstehen können. Als Beispiel nannte May-Stürmer eine mit der neuen Gentechnik hergestellte Tomatenpflanze, die keine Samen enthält, was sie für die Industrie, die Tomatenmark herstellt, sehr interessant macht. Allerdings hatte diese Tomate völlig anders geformte Blätter. Das sei ja nicht weiter schlimm, doch könnten eben im gleichen Maße ungewollte Veränderungen zu anderen Inhaltsstoffen oder allergieauslösenden Eiweißen führen.

May-Stürmer betonte, dass die konventionelle Züchtung grundsätzlich überlegen ist, da Genveränderungen nachhaltiger verankert seien, da sie auf vielen Genen angelegt sind und daher in viel geringerem Maße zu Resistenzen führen können.

Vermeintlich ist es gerade sehr ruhig um die Gentechnik, so Amelie Pfeiffer, doch tobt auf ganz anderer Ebene ein macht- und wirtschaftsplitischer Sturm. Das EU-Parlament hat sich gerade gegen die Zulassung dreier dreifach genveränderter Sojasorten ausgesprochen, deren Empfehlung ist allerdings für die Entscheidung der EU Kommission nicht bindend. Dass es hier um eine riesigen Markt geht zeigt die Übernahme von Monsanto durch Bayer. BASF will dann die Pflanzenzüchtungssparte übernehmen. Hier geht es um ein Milliardengeschäft
und letztendlich doch um die zentrale Frage, welche Art der Landwirtschaft zukunftsfähig ist. Landwirtschaft in Abhängigkeit der Agroindustriekonzerne  oder eine Landwirtschaft, in der es gelingt mit guter ackerbaulicher Praxis seinen Teil zum Beenden des Klimawandels und Artenrückgangs beizutragen.