Gründungsveranstaltungen

Gründungsveranstaltung des Runden Tisches Gentechnikfreier Neckar-Odenwald-Kreis

8. November 2011 im Sportheim Waldhausen, 74722 Buchen


Die Sprecherin der Initiative, Amelie Pfeiffer, Dipl. Agr. Biologin, die mit ihrem Mann einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb bewirtschaftet, war mit ihrem Team  überwältigt vom Besuch der Veranstaltung. Sie begrüßte neben den geladenen Gästen und vielen interessierten Bürgern und Bürgerinnen, Landwirten und Imkern das gesamte Organisationsteam, das diese Veranstaltung erst ermöglicht hat:
den Fachdienstleiter Landwirtschaft, Gerhard Kohler
den Vertreter der evangelischen Landeskirche Rolf Brauch
den Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Herbert Kempf sowie den Geschäftsführer Andreas Sigmund
den Vertreter vom BUND Berthold Weigand von der Ortsgruppe Buchen
den Vertreter der Bioland Regionalgruppe Hohenlohe-Main Tauber, Elmar Berberich und
den Vertreter der Demeter Landwirte Hans Zollmann.

 

Das Grußwort von Martin Wuttke,
Erster Landesbeamte Neckar-Odenwald-Kreis:
Sehr geehrte Frau Pfeiffer, liebe Gäste und Ehrengäste, meine sehr verehrten Damen und Herren, herzlichen Dank für die Einladung zur heutigen Gründungsveranstaltung. Ich grüße Sie herzlich namens des Neckar-Odenwald-Kreises sowie unseres Landrats, Dr. Achim Brötel.
Jean Jaurés hat einmal gesagt: "Tradition pflegen heißt nicht, Asche aufbewahren, sondern Glut am Glühen zu halten". Der Neckar-Odenwald-Kreis hat eine Tradition gentechnikfreier Landwirtschaft. Dies ist keine Kunst, da es sich beim Anbau gentechnikveränderter Pflanzen um ein relativ neues Phänomen handelt. Dennoch gilt es, die bisherige Tradition zu bewahren, die bisherige Praxis fortzusetzen. Dies ist gar nicht so einfach, der Wind bläst stark ins Gesicht. Denn die Globalisierung gerade bei landwirtschaftlichen Produkten macht es immer schwieriger mit regionalen gentechnikfreien Produkten auf dem Markt zu punkten. Insofern kommt die Initiative zur Gründung eines Runden Tisches Gentechnikfreier Neckar-Odenwald-Kreis gerade zur rechten Zeit. Wir vom Landratsamt stehen dabei mit unserem Fachdienst Landwirtschaft aus zwei Gründen an Ihrer Seite:
1. Diese Initiative wird aus der Landwirtschaft getragen.
Es ist uns sehr wichtig, dass die Interessengemeinschaft der Landwirte, der Kreisbauernverband, mit Ihnen Herrn Kempf an der Spitze, hinter der Initiative steht. Denn eine solche Initiative kann unseres Erachtens nur dann Erfolg haben und macht nur dann Sinn, wenn sie von den Landwirten und damit von den Bewirtschaftern getragen wird. Es ist daher unbedingt erforderlich, dass die Ziele der Initiative für die einzelnen Landwirte konsensfähig sind und dass es den Landwirten möglich und vor allem wirtschaftlich zumutbar ist, sich zu diesen Zielen zu bekennen.
2. Mit Ihrer Initiative wollen Sie die breite  Bevölkerung und damit die Konsumenten ansprechen.
Die Haltung der Konsumenten ist letztlich für die Landwirtschaft eine Überlebensfrage. Denn nur dann, wenn es dem einzelnen Landwirt gelingt, mit seinen gentechnikfreien Produkten die gleiche oder eine bessere Wertschöpfung als mit gentechnikveränderten Produkten zu erreichen, wird er auch übermorgen keinen Anlass zum anbau gentechnisch veränderter Pflanzen haben.
Den Umfragen nach scheint dies kein Problem zu sein:die überweigende Mehrheit der Bevölkerung lehnt Obst und Gemüse aus gentechnikveränderten Pflanzen ab. Die Gretchenfrage der Konsumenten stellt sich jedoch am Supermarktregal. Nämlich dann, wenn das gentechnisch veränderte Produkt zu einem signifikanten billigerem Preis angeboten würde. Hier muss der Konsument auch dann zum gentechnikfreien Prpdukt greifen, wenn er dafür einen höheren Preis bezahlen muss. Es gilt hier den Verbraucher ständig aufzuklären und von der Qualität unserer landwirtschaftlichen Produkte immer wieder zu überzeugen. 
Die Initiaitve Gentechnikfreier Neckar-Odenwald-Kreis kann  hierzu einen wichtigen Beitrag leisten: durch Informationsveranstaltungen über die Risiken und Gefahren Grüner Gentechnik, aber v.a. auch durch Aktionen, die den Verbraucher von den Qualitäten unserer regionalen Produkte überzeugen.
Ich wünsche der Initiative alles Gute und viel Erfolg. Lassen Sie uns weiterhin gemeinsam im Neckar-Odenwald-Kreis die Glut für einen Anbau gentechnikfreier Pflanzen am Glühen halten und lassen Sie uns v.a. gemeinsam die Konsumenten von der Qualität unserer regionalen Produkte überzeugen. Vielen Dank!

Die Erfahrungsberichte aus drei gentechnikfreien Regionen:

Eberhard Zucker
Vorsitzender des Kreisbauernverband Heilbronn-Ludwigsburg
berichtet aus der gentechnikfreien Region Vaihingen/Enz, die 2008 gegründet wurde. 65 Landwirte verzichten auf 2400 ha der 2700 ha Vaihinger Gemarkungsfläche auf gentechnisch verändertes Saat- und Pflanzgut. Um einer Zerstückelung zuvorzukommen, die ein kommunaler Beschluss gebracht hätte, bei dem die Pachtverträge der stadteigenen Flächen den Passus beinhaltet hätten, auf  kommunalen Flächen auf gentechnisch veränderten Pflanzen zu verzichten,  haben die Landwirte es vorgezogen, Selbstverpflichtungserklärungen zu unterzeichnen, um ganze Betriebe, ganze Flächen gentechnikfrei zu halten. Die Koexistenz ist in Baden-Württemberg mit seiner kleinstrukturierten Landwirtschaft unmöglich.  Landwirte müssen die Wahlfreiheit und Unabhängigkeit von großen Agrokonzernen  erhalten. 2010 hat es bei 39 Betrieben bereits enorme Schäden durch verunreinigtes Saatgut durch  gentechnisch verändertes Saatgut gegeben. Diesem Herr zu werden war durch die Herbizidresistenz bereits ein großes Problem. Das juristische Problem der Haftung für den Schaden ist noch nicht letztendlich geklärt.

 

Gebhard Aierstock

Vorsitzender Kreisbauernverband Reutlingen
berichtet aus der gentechnikfreien Anbauregion Reutlingen/Neckar-Alb. Diese wurde auf Initiative des Kreisbauernverbandes Reutlingen 2004 mit Förderung des Bundesprogramms "Regionen aktiv" gegründet. Unterstützt durch kirchliche Organisationen, Landfrauenverbände, Erzeugergemeinschaften haben sich in den  Landkreisen Reutlingen, Tübingen und Zollernalb 729 Landwirte angeschlossen, die knapp 30.000 Hektar ohne gentechnisch verändertes Saat- und Pflanzgut bewirtschaften.
Eine benachteiligte Region wie die Schwäbische Alb könne mit der globalen Landwirtschaft ohnehin nicht konkurrieren, um so wichtiger sei es, auf regionale Qualität und Gentechnikfreiheit zu setzen, so Aierstock. Der Erhalt der bäuerlichen Unabhängigkeit von der Machtstellung große  Saatgutkonzerne, die durch Saatgutpatentierung nicht mehr gewährleistet sei, die Erschließung neuer Absatzwege, der Erhalt der Kulturpflanzenvielfalt und der Biodiversität, die durch Auskreuzung gentechnisch veränderter Pflanzen in Gefahr gerät und vor allem die Verminderung von Konflikten seien die Hauptargumente der Reutlinger gentechnikfreien Anbauregion. Gebhard Aierstock geht sogar soweit zu behaupten, dass das Argument, gentechnisch frei erzeugtes Sojaschrot, sei wertiger und in der Qualität dem gentechnisch veränderten Soja überlegen. Die Mehrkosten seien daher vertretbar. Das Problem sei nicht das etwas teurere Sojaschrot, sondern die unmöglich niedrigen Preise, die derzeit für Schweinefleisch erzielt würden. Daran müsse sich etwas ändern, dann wäre auch der Einkauf von gentechnisch freiem Sojaschrot als Eiweißträger möglich.

 

Alexander Spangenberg, BUND Ladenburg
2006 wurde das Bündnis "Bürgenland - Bürger für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in der Kurpfalz" gegründet, nachdem es auf zwei Flächen zum Anbau von gentechnisch verändertem Mais, MON 810, kam. Das Bündnis organisiert jährlich einen Kurpfälzer Regionalmarkt mit dem Motto: "Gentechnikfrei genießen - landwirtschaftliche Produkte aus der Region für die Region". Alexander Spangenberg ist es von Beginn an ganz wichtig, nicht nur gegen etwas zu sein, nämlich die Gentechnik, sondern ganz besonders die regionalen Erzeuger zu unterstützen und für diese Werbung zu machen. Die Landwirte stehen neben den Verbrauchern im Mittelpunkt. Viele einzelne Gespräche seien nötig gewesen, um die Überzeugung, ohne grüne Gentechnik zu wirtschaften, Landwirten, Verbrauchern und Kommunalpolitikern zu übermitteln und dadurch zu kommunalen Beschlüssen zu gelangen. Das Bündnis setzt auf Informationen  und Aufklärung  durch Kinofilme und Vorträge, z.B. auch in Gymnasien.

Nach diesen Vorträgen und der anschliessenden Diskussion wurde die Oragnisationstruktur des Runden Tisches erklärt. Wer mitarbeiten möchte,ist jederzeit herzlich dazu eingeladen.  Mehrmals im Jahr wird es Veranstaltungen  zu den verschiedenen Themengebieten geben. Im Januar ist geplant, im Kino Walldürn und evtl. im Kino Neckarelz den Film "Gekaufte Wahrheit" zu zeigen. Im Frühjahr wird es einen Vortrag zum aktuellen Honigurteil geben.

Wer die Arbeit des Runden Tisches unterstützen möchte, konnte an der Gründungsveranstaltung seine Unterschrift abgeben.. In Zukunft wird das auch auf der homepage direkt möglich sein.

Der Runde Tisch ist ein offenes Netzwerk, alle interessierten Gäste sind jederzeit herzlich eingeladen, an den Treffen teilzunehmen. Die termine werden auf der homepage sowie in der Tagespresse veröffentlicht.